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Der Kontrollschuss: warum er bei Leihwaffen unverzichtbar ist

 „Die schießt Loch in Loch, leg einfach los." Warum dieselbe Waffe bei zwei Schützen ganz unterschiedlich trifft — und warum ein Kontrollschuss vor dem Wild unverzichtbar ist.

Du kennst die Situation vielleicht: Du bist zur Jagd eingeladen, die Vorfreude ist groß — und dann streikt die eigene Waffe oder fehlt. Ein Kumpel reicht dir großzügig seine: „Nimm meine, die schießt Loch in Loch.“ Kannst du damit losziehen und treffen, ohne einen Probeschuss gemacht zu haben? Genau das wollten wir in der Praxis ausprobieren — nicht die rechtliche Seite des Waffentauschs, sondern die jagdpraktische.

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Zwei Schützen, eine Waffe

Dazu sind wir ins Revier gefahren, zu Reiner, der als Revierleiter in einem kommunalen Forst viel mit Jagdgästen zu tun hat — auch mit solchen, die mit geliehenen Waffen anreisen. Der Aufbau: dieselbe Waffe, zwei Schützen mit ganz unterschiedlicher Anatomie — Körperstatur, Gesichtsform, der eine Brillenträger, der andere nicht. Geschossen wurde auf eine Rehscheibe auf 100 m, mit einem klar definierten Haltepunkt im Zentrum, damit es keine Diskussionen gibt.

Das Ergebnis: deutlich daneben

Reiner schoss mit einer Waffe, die er nie zuvor in der Hand hatte — und obwohl es eine hervorragende Kombination war, lagen seine Schüsse mit dem Zentrums-Haltepunkt deutlich zu hoch. Erst als er bewusst tiefer anhielt, brachte er den Treffer in die gewünschte Lage. Die Waffe war also einwandfrei eingeschossen — nur eben nicht auf ihn.

Und genau hier ein wichtiger Hinweis, den wir auch im Video deutlich machen: Dass Reiner woanders angehalten hat, war nur zur Veranschaulichung, wie groß der Unterschied ausfällt. Es ist keine Methode für die Jagd. Du sollst nicht bewusst daneben halten, weil du weißt, dass die Leihwaffe woanders hinschießt — das ist nicht waidgerecht und nicht sicher. Die Lehre ist eine andere.

Warum derselbe Treffpunkt wandert

Wir sind alle unterschiedlich gebaut. Körperbau, Gesichtsanatomie, die Frage, ob jemand eine Brille trägt — all das beeinflusst, wie das Auge hinter dem Glas sitzt und wie die Waffe im Anschlag liegt. Hat der Schütze, der die Waffe eingeschossen hat, eine andere Anatomie als du, kommt die komplette Physik und Optik anders ins Spiel. Eine Waffe wird eben nicht nur eingeschossen, sondern auf einen bestimmten Schützen eingeschossen.

Was du mitnehmen solltest

Immer prüfen
Leihwaffe nie ohne
Kontrollschuss
Auch Neuwaffen
„ist eingeschossen“
selbst nachprüfen
Handling üben
Sicherheit und
Treffpunkt zugleich

Was der Profi dazu sagt

Reiner bringt es aus der Sicht von jemandem auf den Punkt, der ständig Jagdgäste mit Leihwaffen erlebt: Unabhängig von der Waidgerechtigkeit — dem Anspruch auf einen sicheren, tödlichen Schuss — ist es auch ein Sicherheitsaspekt. Niemand sollte eine Waffe einfach in die Hand nehmen und mit ihr in den scharfen Einsatz gehen. Sein Minimum: vor dem Einsatz immer ein Probeschuss, um das Handling zu üben und die individuelle Treffpunktlage zu kennen.

Dasselbe gilt übrigens für Neuwaffen: Wenn du eine Waffe mit der Aussage „ist eingeschossen“ vom Händler oder Büchsenmacher übernimmst, mach trotzdem einen Kontrollschuss, bevor du auf Wild gehst. Eingeschossen heißt nicht automatisch: eingeschossen auf dich.

Wenn du Fragen zum Einschießprozedere, zum Handling oder zu deiner Ausrüstung hast: Ruf uns an, schreib uns oder komm nach Terminabsprache vorbei. Wir stehen dir mit Rat und Tat zur Seite.

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